Was ist ein Tourbillon, wie liest man eine Mondphase, wie klingt eine Minutenrepetition? Wählen Sie eine Komplikation und bedienen Sie die Uhr selbst. Sie läuft live mit der Zeit Ihres Geräts.
Alltagskomplikation
Datum
Die meistgenutzte Zusatzanzeige: ein Ring mit 31 Ziffern, einmal täglich geschaltet
Unter dem Zifferblatt liegt ein Datumsring mit 31 Ziffern. Ein Rad, das sich in 24 Stunden einmal dreht, greift kurz vor Mitternacht mit einem Finger in dessen Verzahnung und schiebt ihn um genau einen Schritt weiter. Bei einer springenden Schaltung wechselt die Ziffer in einem Augenblick, bei einer schleichenden über einen längeren Zeitraum. Eine Schnellkorrektur über die Krone erspart das Weiterdrehen der Zeiger.
Die Rolex Datejust von 1945 gilt als erste automatische Chronometer-Armbanduhr mit Datum im Fenster. Großdaten mit zwei getrennten Ziffernscheiben, etwa bei A. Lange & Söhne oder Glashütte Original, machen die Anzeige deutlich größer und lesbarer. Weil Monate unterschiedlich lang sind, muss ein einfaches Datum fünfmal im Jahr von Hand korrigiert werden, jeweils nach einem Monat mit weniger als 31 Tagen.
So lesen Sie es ab
Die Ziffer im Fenster zeigt den aktuellen Kalendertag. Viele Hersteller raten, das Datum nicht zwischen etwa 21 und 3 Uhr per Schnellkorrektur zu verstellen, weil der Schaltmechanismus dann bereits eingreift.
Das Datum springt um Mitternacht. Die Uhr zeigt das heutige Datum.
1945Mit der Datejust stellte Rolex die erste automatische Chronometer-Armbanduhr mit Datumsfenster vor.
Eine Scheibe mit zwei Monden folgt dem Lauf des Mondes um die Erde
Ein synodischer Monat, von Neumond zu Neumond, dauert rund 29 Tage, 12 Stunden und 44 Minuten. Die klassische Mondphase nähert diesen Wert mit einer Scheibe aus 59 Zähnen an, die täglich um einen Zahn weiterrückt und zwei Monde trägt. Eine volle Umdrehung entspricht so zwei Mondmonaten zu je 29,5 Tagen. Feinere Übersetzungen mit zusätzlichen Rädern verringern die verbleibende Abweichung erheblich.
Für den Alltag hat die Anzeige kaum praktischen Nutzen, doch sie verbindet die Uhr mit dem Himmel und mit der Tradition astronomischer Taschenuhren. Gerade deshalb gilt sie als die poetischste Komplikation, oft mit gold- oder silberfarbenem Mond auf tiefblauem Sternenhimmel gestaltet. Bei einfachen Ausführungen summiert sich der Fehler nach etwa zwei Jahren und sieben Monaten auf einen Tag, bei präzisen Konstruktionen erst nach mehr als einem Jahrhundert.
So lesen Sie es ab
Steht der Mond vollständig in der Mitte des Fensters, ist Vollmond, ist das Fenster leer, herrscht Neumond. Dazwischen verdecken die beiden Bögen am Fensterrand den Mond teilweise und zeigen so zu- oder abnehmenden Mond.
122 JahreSo lange dauert es bei präzisen Mondphasen, bis die Anzeige um einen Tag vom tatsächlichen Mondlauf abweicht.
Die Stoppuhr am Handgelenk: Start, Stopp und Nullstellung über zwei Drücker
Ein Chronograph besitzt neben dem eigentlichen Uhrwerk ein zusätzliches Räderwerk, das sich auf Knopfdruck mit dem laufenden Werk verbindet. Diese Verbindung stellt entweder eine horizontale Kupplung über Zahnräder oder eine vertikale Reibungskupplung her, die Uhrzeit läuft dabei unabhängig weiter. Ein Schaltrad oder eine Kulissensteuerung ordnet dabei die Abläufe: Der obere Drücker startet und stoppt, der untere stellt die Zeiger über Herzscheiben auf null zurück. Hilfszifferblätter zählen die vergangenen Minuten und oft auch Stunden.
Louis Moinet baute bereits 1816 einen Zähler für astronomische Beobachtungen, Nicolas Rieussec stoppte 1821 in Paris Pferderennen mit einem Gerät, das die Zeit mit Tinte markierte. 1969 kamen die ersten automatischen Chronographenwerke auf den Markt, darunter das Zenith El Primero. Ein Schaltrad mit sauber gearbeiteten Säulen gilt unter Kennern bis heute als Zeichen eines aufwendig konstruierten Werks.
So lesen Sie es ab
Der große Stoppsekundenzeiger in der Mitte steht still, bis Sie den Chronographen starten. Die kleinen Zähler zeigen die gestoppten Minuten und Stunden, die laufende Sekunde der Uhrzeit sitzt meist in einem eigenen Hilfszifferblatt.
Oder drücken Sie direkt auf die Drücker am Gehäuse (2 und 4 Uhr). 0:00,0
36.000Halbschwingungen pro Stunde (5 Hz) erlauben dem Zenith El Primero die Messung von Zehntelsekunden.
Ein zusätzlicher 24-Stunden-Zeiger hält eine zweite Zeitzone im Blick
Eine GMT-Uhr ergänzt Stunden- und Minutenzeiger um einen dritten Zeiger, der das Zifferblatt nur einmal in 24 Stunden umrundet. Er wird auf eine zweite Zeitzone eingestellt und auf einer 24-Stunden-Skala abgelesen, die auf der Lünette oder dem Zifferblatt liegt. Bei vielen modernen Werken lässt sich der Stundenzeiger für die Ortszeit in Stundenschritten springend verstellen, ohne dass die Uhr anhält. Andere Konstruktionen stellen stattdessen den 24-Stunden-Zeiger separat ein, ideal, um dauerhaft eine feste zweite Zone zu verfolgen.
Ihren Namen verdankt sie der Greenwich Mean Time, der früheren Weltbezugszeit. Die Rolex GMT-Master von 1955 entstand im Umfeld der Langstreckenflüge der Pan Am und wurde zum Inbegriff der Pilotenuhr. Mit einer drehbaren Lünette lässt sich sogar eine dritte Zeitzone ablesen. Für Reisende und Menschen mit internationalen Kontakten bleibt sie eine der praktischsten Komplikationen.
So lesen Sie es ab
Der Stundenzeiger zeigt die Ortszeit, der meist farbig abgesetzte GMT-Zeiger weist auf der 24-Stunden-Skala auf die Zeit in der zweiten Zone. Steht er auf 20, ist es dort 20 Uhr, also Abend.
24 hDer GMT-Zeiger umrundet das Zifferblatt nur einmal am Tag und unterscheidet so auch zwischen Tag und Nacht.
Zeigt, wie viel Energie noch in der Zugfeder steckt
Die Gangreserveanzeige misst, wie weit die Zugfeder im Federhaus noch gespannt ist. Meist vergleicht ein Differenzialgetriebe dazu das Aufziehen der Feder mit ihrem Ablaufen und überträgt das Ergebnis auf einen Zeiger oder eine Scheibe. So wird sichtbar, wann eine Uhr mit Handaufzug wieder aufgezogen oder eine Automatikuhr wieder getragen werden sollte. Ohne eine solche Anzeige lässt sich der Energievorrat nur schätzen, denn von außen ist der Spannungszustand der Feder nicht zu erkennen.
Besonders beliebt ist die Anzeige bei Handaufzugsuhren mit langer Laufzeit, deren Werke mit mehreren oder besonders langen Zugfedern arbeiten. Solche Konstruktionen laufen heute oft eine Woche und länger. Bei A. Lange & Söhne trägt sie traditionell die Beschriftung „Auf“ und „Ab“. Sie verrät auch etwas über die Konstruktion: Ein gleichmäßig abgegebenes Drehmoment ist für die Ganggenauigkeit ebenso wichtig wie eine lange Laufzeit.
So lesen Sie es ab
Der Zeiger wandert von „Auf“, also voll aufgezogen, in Richtung „Ab“. Nähert er sich dem Ende der Skala, sollten Sie die Uhr aufziehen.
Die Reserve läuft hier im Zeitraffer ab: eine Stunde pro Sekunde. Steht sie auf null, bleibt die Uhr stehen.
31 TageSo lange läuft die Lange 31 von A. Lange & Söhne mit einem einzigen vollständigen Aufzug.
Kennt Monatslängen und Schaltjahre und braucht bis 2100 keine Korrektur
Ein ewiger Kalender speichert die unterschiedlichen Monatslängen mechanisch in einer Programmscheibe, die sich meist einmal in vier Jahren dreht. Ein Fühlhebel tastet ihre unterschiedlich tiefen Einschnitte ab und entscheidet, ob der Kalender nach dem 28., 29., 30. oder 31. Tag auf den Monatsersten springt. Datum, Wochentag, Monat und Schaltjahr schalten so ohne jeden Eingriff weiter. Bleibt die Uhr länger stehen, müssen die Anzeigen in der richtigen Reihenfolge nachgestellt werden, häufig über versenkte Korrekturdrücker im Gehäuse.
Thomas Mudge baute nach heutigem Kenntnisstand um 1762 den ersten ewigen Kalender in eine Taschenuhr ein. In der Armbanduhr wurde die Komplikation im 20. Jahrhundert zum Prüfstein großer Manufakturen. Weil der gregorianische Kalender in Jahrhundertjahren, die nicht durch 400 teilbar sind, den Schalttag auslässt, muss ein klassischer ewiger Kalender im Jahr 2100 einmal korrigiert werden.
So lesen Sie es ab
Hilfszifferblätter zeigen Datum, Wochentag und Monat, eine kleine Anzeige markiert die Position im vierjährigen Schaltjahreszyklus. Häufig kommt eine Mondphase hinzu.
2100Erst dann braucht ein klassischer ewiger Kalender eine Korrektur, denn 2100 ist kein Schaltjahr.
Ein drehender Käfig für Unruh und Hemmung gleicht Lagefehler aus
Beim Tourbillon sitzen Unruh, Spiralfeder, Anker und Ankerrad in einem leichten Käfig, der sich meist einmal pro Minute um die eigene Achse dreht. Der Käfig ist selbst Teil des Räderwerks: Er trägt das Ankerrad, dessen Trieb sich um ein feststehendes Rad abwälzt. Die Schwerkraft, die in senkrechter Lage je nach Stellung unterschiedlich auf das Schwingsystem wirkt, verteilt sich dadurch gleichmäßig. Die Gangabweichungen der einzelnen Lagen sollen sich so im Mittel ausgleichen.
Abraham-Louis Breguet erhielt dafür am 26. Juni 1801 in Paris ein Patent. Gedacht war die Erfindung für Taschenuhren, die meist senkrecht in der Westentasche steckten. In der Armbanduhr, die ihre Lage ständig wechselt, ist der Nutzen begrenzter. Heute gilt das Tourbillon vor allem als Nachweis höchster Fertigungskunst, denn der Käfig muss extrem leicht und zugleich hochpräzise gefertigt sein.
So lesen Sie es ab
Der Käfig dreht sich sichtbar in einer Öffnung des Zifferblatts, oft bei 6 Uhr. Dreht er sich einmal pro Minute, dient ein Zeiger auf dem Käfig zugleich als kleine Sekunde.
Der Käfig dreht sich einmal pro Minute, die Unruh darin schwingt mit 4 Hertz. Auf dem Bildschirm ist sie verlangsamt dargestellt.
1 MinuteDie meisten Tourbillons drehen ihren Käfig einmal pro Minute, so wird er zugleich zur Sekundenanzeige.
Schlägt auf Wunsch die Uhrzeit auf Tonfedern, genau bis zur Minute
Betätigen Sie den Schieber an der Gehäuseflanke, spannt sich eine eigene Feder für das Schlagwerk. Ein sogenanntes Alles-oder-nichts-Stück sorgt dafür, dass es nur auslöst, wenn der Schieber ganz durchgezogen wurde. Stufenscheiben, die sogenannten Staffeln, tasten die aktuelle Zeit ab, ein Regulator sorgt für einen gleichmäßigen Ablauf. Zwei Hämmerchen schlagen auf Tonfedern: tiefe Töne für die Stunden, Doppeltöne für die Viertelstunden und hohe Töne für die Minuten seit der letzten Viertelstunde.
Repetitionsuhren entstanden im späten 17. Jahrhundert in England, als man die Zeit im Dunkeln nicht ohne Weiteres ablesen konnte. Heute zählt die Minutenrepetition zu den anspruchsvollsten Komplikationen überhaupt: Klangfarbe, Lautstärke und Rhythmus hängen von Gehäusematerial, Tonfedern und Feinabstimmung ab. Die ringförmig um das Werk laufenden Tonfedern werden dafür sorgfältig von Hand gestimmt. Manche Manufakturen hören jede Uhr vor der Auslieferung einzeln ab.
So lesen Sie es ab
Die Repetition hat keine eigene Anzeige auf dem Zifferblatt, man hört sie. Um 3:47 Uhr erklingen drei tiefe Schläge, drei Doppelschläge und zwei hohe Schläge.
Tiefe Töne zählen die Stunden, Doppeltöne die Viertelstunden, hohe Töne die Minuten. Bitte Ton einschalten.
12:59Um diese Uhrzeit erklingt die längste Folge: 12 Stundenschläge, 3 Doppelschläge für die Viertel und 14 Minutenschläge.